Alaskan Malamute ­ Zucht und Zuchtziele

aus Sicht einer züchtenden Tierärztin...

Seit mehreren Jahren stehen Alaskan Malamutes im Mittelpunkt unseres privaten und beruflichen Lebens. Klassischer Start mit einem Hund ­ damals noch als Gemeinschaftszucht ­ hat es mein Mann inzwischen zu einer Zuchtstätte von 12 Malamuten geschafft. Wir haben in der Zwischenzeit Zuchten aus Europa und den Vereinigten Staaten anschauen, vergleichen und von ihnen lernen dürfen. Es sind uns große Unterschiede nicht nur in der tierärztlichen Handhabung des Themas aufgefallen, sondern auch solche in den Bereichen der Zuchtverreine und des Ausstellungs- bzw. Sportwesens.

 

Allgemein unabhängig von der gezüchteten Rassen wird in Süd- und Mitteleuropa von Zwinger mit und solchen ohne einem “organisiertem³ Zuchtstättenmanagment gesprochen. Es werden meistens Zuchtstätten mit einer größeren Anzahl an Hunden angetroffen. Nicht selten sind mehrere Generationen der selben Familie anzutreffen, es existiert eine konstante tierärztliche “Zwingerbetreuung³ rund um Zucht, Reproduktion und allgemeinen Gesundheitsfragen.

 

Im deutschsprachigen Raum ist oft der Begriff “Hobbyzucht³ anzutreffen. Die Anzahl der Tiere in den Zuchtstätten ist in der Regel relativ gering, nur selten befinden sich gleichzeitig im Zwinger mehrere Generationen der gleichen genetischen Familie, und die tierärztliche Betreuung ist zwar regelmäßig aber selten im Bereich der Zucht und Reproduktion gefordert. Nicht zu übersehen sind auch die statistischen Daten bezüglich dem Verhältnis “offizielle³ Zucht und nicht offizielle Zucht.

Im Bereich der Schlittenhunde scheinen Anhänger dieser Hunderassen die Züchter weltweit in drei große Kategorien zu unterteilen:

  1. Zuchtstätten, deren Zuchttieren rein in der Zucht eingesetzt werden;
  2. solche in welchen die Zuchttiere auch arbeiten;
  3. und solche in denen mit den Tieren gearbeitet UND gezüchtet wird.

In den meisten Länder wird für die offizielle Einsetzung der Elterntiere zur Zucht mindestens eine HD Kontrolle und eine Augenuntersuchung der Elterntiere gefordert.

Das Alter der ersten Kontrolle, bzw. bei bestimmten Untersuchung die Frequenz der wiederholten Untersuchung wird in jedem Land unterschiedlich gehandhabt. Ellenbogen und Schulter werden meisten fakultativ untersucht, und laut vorhandenen Statistiken haben zur Zeit die Nordischen Hunderassen recht positive Resultate vorzuweisen. Die Intensität und Anzahl der angeforderten Untersuchungen sollten so ausgerichtet sein dass sie die Gesundheit der Zuchtpopulation sichern, ohne die genetische Vielfalt der Rasse einzuengen.

Die Nachzuchtbewertung aus tierärztlicher Sicht ist nur sehr selten anzutreffen. Das Screening der Nachzucht ist zwar wünschenswert, scheitert aber oft nicht nur an organisatorischen, sondern auch an finanziellen Gründen und wird meistens nur an den Tieren durchgeführt die in die Zucht eingesetzt werden.

Wie mit den Ergebnissen umgegangen wird ist auch sehr unterschiedlich:

die OFA (http://www.offa.org) bietet die unglaubliche Leistung Untersuchungsdaten nach dezidierter Zustimmung des Auftraggebers frei im Internet zu publizieren. Enormer Vorteil liegt auf der Hand: eine aktive Unterstützung in der Auswahl der potentiellen Zuchttiere bzw. Zuchtlinien in den Verpaarungen. Europäische Zuchtvereine publizieren Daten bzgl. HD und Augen oder neu zuchtzugelassene Tiere in den offiziellen Organblätter (z.B Deutschland, Schweiz).

Eine verschwindende Anzahl von Verbände wiederum verlangen überhaupt keine Untersuchungen (vorwiegend osteuropäische Länder), bzw. publizieren aus Gründen des Datenschutzes (z.b. Österreich) keine Angaben.

Bezüglich dem Zahnstatus wird überwiegend darauf geachtet dass ein Scherengebiss vorliegt. Zange wird abhängig von Land und Richter akzeptiert oder geduldet. Rückbiss bzw. Vorbiss bzw. weitere maxilo- mandibulare Anomalien aufgrund der sehr wahrscheinlichen genetischen Genese, sind ein zuchtausschließender Fehler. Die Position einzelner Zähne ist weniger relevant. Nur wenige Länder aber spezifizieren konkret die Mindestanforderungen die das Gebiss für eine evtl. Zuchtzulassung erfüllen muss.

Das erlaubte Zuchtalter, Anzahl und Intensität der Einsätze in der Zucht sind auch sehr unterschiedlich reglementiert.

Aus dem auf der offiziellen Website der FCI <javascript:void(0)>

publiziertem Rassenstandard, in der Übersetzung von Fr. Elke Peper, kann bzgl. dem Wesen entnommen werden dass ängstliche und aggressive Hunde, und solche die Verhaltensstörungen aufweisen, aus der Zucht ausgeschlossen werden sollen. Da in Österreich auch das Tierschutzgesetz sich immer mehr auf das Wesen der Hunde fokussiert rückt dieses Thema immer mehr ins aktuelle Bild der Hundezucht im allgemeinem, aber auch in der Welt der Schlittenhunde.

So wie in der Handhabung des Zuchtgeschehens international sehr viele Unterschiede zu beobachten sind, so sind auch bestimmte Auslegungen sowohl züchter- als auch länderorientiert.

In unserer Optik ist der Alaskan Malamute eine optimale Kombination zwischen einem wunderschönen, stolzen, manchmal vielleicht sehr eigensinnigen Hund, mit viel Ausstrahlung und Charisma, dessen Körperbau ihm optimale Voraussetzungen verleihen um ein perfekter Schlittenhund zu sein.

Ein Malamute, der seine Haarpracht, seine Größe oder sein imposantes Auftreten einbüssen muss um dafür schneller zu werden, ist ebenso bestraft wie einer, der den Willen zum Ziehen verloren hat. Deswegen ist aus unserer Sicht eine Unterteilung der Rasse in "Arbeitslinien" und "Showlinien" nicht annehmbar. Es ist aber hoch zu schätzen, dass der Rassenstandard dieser Rasse, obwohl er einen so konkreten Entwicklungsrahmen vorgibt, einen doch so kreativen Raum in der Auswahl der Zuchtkriterien ermöglicht.



Impressum | Sidemap | Presse | Kontakt